International Short Film Festival
Früher haben sich die Leute Geschichten erzählt. Seit 2500 Jahren werden sie uns gezeigt - in Theater, Malerei & Bildhauerei, Musik, Tanz, Literatur, Architektur und im Lichtspiel. Sie sind überall und für jeden in der Atmosphäre - wir haben sie sozusagen inhaliert. Im 20 Jhdt. hat die Menschheit die Strukturen auseinandergenommen, wie ein Puzzle wieder zusammengesetzt und sie auch kaputt gemacht - Homo Ludens hat begonnen mit ihr zu spielen. Nach dem 2. Weltkrieg war die Kunst absurd, weil die Werte, nach denen die Leute gelebt hatten, nicht mehr bestanden. Heutzutage hat die alltägliche Person zur Kunst keinen Zugang, keine Beziehung mehr. Sogar die Fachleute können uns nicht weiterhelfen, wenn sie vor einem Kunststück stehen. Wir können Fernsehen, aber nicht reparieren. Wir sind nicht mehr neugierig, wie die Leute damals, die zum ersten Mal ein Radio auseinandergenommen haben und wir haben auch keine Zeit, weil uns das Fernsehen zu sehr einnimmt. Ist das Ding kaputt kaufen wir einen neuen, wir kommen nicht auf die Idee, einmal hineinzuschauen - und er geht durch die neuen Technologien eigentlich auch schon nicht mehr kaputt.
Kino ist die siebte und letzte Kunstform. Und hat mit Kurzfilm angefangen, da die damalige Technik keine Möglichkeit bot, längere Filme zu produzieren. Auf der ganzen Welt gibt es vielleicht eine Hand voll Leute, die Kino machen und deren Arbeit wir als Kunst bezeichnen können, da wir während des Betrachtens nicht "einschlafen". Das sind nicht viele Leute. Ergo: Es bleiben nur wenige 90-Minüter, die für die Menschheit nützlich sind. Und die Macher, dieser Filme, haben mit dem Kurzfilm angefangen.
Der Kurzfilm gibt uns die Möglichkeit die Strukturen, die wir bis jetzt kennengelernt haben in allen möglichen Formen wiederzuerkennen. Jeder Filmemacher hat seine eigene Aura, seinen eigenen Weg, uns zu zeigen, was zu zeigen ist und das machen sie nicht lang, sondern ganz kurz. Der Kurzfilm hat keine Zeit für Füllmaterial, keine Zeit um zu täuschen, zu illusionieren. Er ist ehrlich. Freuen wir uns deshalb, dass wir bei manch einem den Spiegel unserer selbst vorgesetzt bekommen und tut der Kurzfilm es nicht, freuen wir uns, dass wir nicht zu viel Zeit verschwendet haben, mit einer Geschichte, die uns einlullen will. Nach ein paar Minuten sind wir wieder wach!
Das ist unsere Geschichte und wären wir glücklich, so hätten wir keine.